Gestern nachmittag hatte ich ja nun meinen ersten Einsatz in Sörens Kiosk. Bin vom Büro aus gleich nach Stuttgart gefahren, wobei ich Depp - Macht der Gewohnheit, ich steige sonst IMMER am Hauptbahnhof aus - eine Station zu früh ausgestiegen bin und weil ich Depp ja nicht nachdenken kann - ich hätte ja einfach nur in den nächste Bahn steigen und noch eine Station weiterfahren können - bin ich dann die ganze Königsstraße hochgelaufen bis zur nächsten Station und dann weiter zum Kiosk. Wie gut, daß ich erst 16 Uhr anfangen mußte.
Na ja, eingearbeitet war ich ja schnell, ist ja nicht so, als wenn ich nicht wüßte, wie man verkauft oder eine Kasse bedient. Sören hat mir dann nur eigentlich alles gezeigt, was ich gestern abend noch machen mußte und was ich heute früh beachten sollte, dann hat er mir den Schlüssel gegeben und hat sich aus dem Staub gemacht.
Bis 18 Uhr war noch ziemlich viel los, danach wurde es langweilig. In den letzten beiden Stunden waren hochgerechnet DREI(!!!) Kunden da. Aber das hat auch Vorteile, ich habe mich einmal quer durch den ganzen Zeitungskiosk gelesen. Abrechnung, Aufräumen und die Abholung des restlichen Essens durch die Tafel hat alles wunderbar geklappt und dann hab ich mich auf den Weg in Sörens Wohnung gemacht.
Sören hatte wohl dort noch auf mich gewartet, aber weil er unbedingt zu Tanja und den Kindern wollte, ist er dann los. Wir müssen uns knapp verpaßt haben, denn wo ich heim kam, war das Essen noch warm. Nett von Sören, mir Abendessen zu machen, nicht wahr? Ich hab geduscht und es mir dann auf der Couch bequem gemacht, mein Abendessen mit Katerle geteilt und dann haben wir fern gesehen.
Es muß ein witziges Bild abgegeben haben. Ich lag quer ausgestreckt auf der Couch, und Katerle direkt über meinem Kopf auf der Lehne. Hin und wieder hing seine Pfote runter und tappste auf meiner Stirn rum. Und dann haben wir geredet. Ja, wir haben richtig geredet. Meistens hab ich geredet, ich hab den armen Kater echt zugetextet. Aber wenn ich dann mal schwieg, dann begann er zu maunzen und ich meinte immer nur: "Ja, recht hast du!" Es tut doch echt gut, mal mit einem Freund reden zu können *grins*.
Die Nacht war dann weniger erholsam. Ich schlaf ja im kombinierten Arbeits- und Gästezimmer, das leider auch Katerles Schlafzimmer ist, und der fand es toll, daß er mal Besuch in seinem Zimmer hatte und tobte sich des Nachts so richtig aus. Krönung des ganzen war, daß ich im Dunklen in die Küche trabte und im Dunklen nach meiner Flasche Saft griff und die Flasche plötzlich weich und behaart war und mich anmaunzte. Mann, war ich erschrocken. Und heut morgen um halb 4 ist Katerle dann auf dem Bücherregal über meinem Bett spazieren gegangen. Das erste Buch landete auf meinen Füßen, das zweite auf meinem Kopf und das dritte laut polternd auf dem Boden - davon bin ich dann wach geworden!!! Und genau in dem Moment, wo ich mich aus dem Bett geschwungen (man bemerke meinen Elan morgens um halb 4 - ich SCHWINGE mich aus dem Bett!!!) habe, schmeißt er einen Kaktus ins Bett, der mich glücklicherweise verfehlt hat. Und ich schwöre, der Kater hat mich angegrinst.
So, nun sitze ich wieder hier im Kiosk und warte auf die ersten Kunden ... und auf Sören.
Heute war ein ganz normaler, unspektakulärer, gewöhnlicher Tag, an dem rein gar nichts passiert ist - ich liebe diese Tage. Na ja, lieben ist vielleicht der falsche Ausdruck. Ich genieße sie. Alles ist immer hektisch, permanent passiert etwas, man ist immer gefordert, muß improvisieren, nachdenken, Lösungen finden - so ein Tag wie heute ist wie ein Ruhepunkt in der Hektik, ein Rastplatz auf dem Weg zur Bergbesteigung. Man setzt sich hin, atmet durch, genießt die Ruhe und den Ausblick, und dann steht man auf und macht sich wieder auf den Weg. Und heute habe ich wirklich genossen. Arbeiten, ganz normal, dann heimgefahren (und zwar ohne Umwege, ohne Termine, ohne alles) (... verdammt, da fällt mir ein, ich hätte zum Arzt gehen und mir ein neues Rezept abholen müssen - das ist der Nachteil dieser ruhigen Tage. Na ja, bis Montag reichen mir meine Medikamente noch.), hab mit Judy telefoniert, hab mit meinem Papa gesprochen, hab gegessen, hab wieder mit Judy telefoniert und jetzt gehe ich ins Bett. Ruhig, relaxt ...
... so hätte es beinahe sein können, aber wie sagt Sören immer so schön: "Ein Tag ohne Fußball ist ein verlorener Tag!" (Okay okay, der Spruch ist geklaut, aber er paßt zu Sören und mir.) Und heute war es rein fußballtechnisch kein schöner Tag, zumindest nicht, wenn man Bayern-Fan ist, und wenn man Bastian Schweinsteiger mag. Ich meine, wir haben schon seit zwei Tagen gerätselt, wer denn der 'ominöse' Nationalspieler sein könnte, der in den Wettskandal verwickelt ist, aber eigentlich so richtig wollte uns niemand einfallen, der dumm genug ist, so etwas zu tun. Mag sein, Schweini ist nicht der Bravste auf Erden, aber ich kann es mir einfach nicht vorstellen. Aber ich fürchte, uns bleibt nichts übrig als abzuwarten, wie sich das entwickelt, die Wahrheit wird ohnehin ans Licht kommen. Also warten wir!